Lore Bert »Lore Bert und die Wissenschaften«

4. Juli – 11. September 2011 Gutenberg Museum Mainz

Am 2. Juli 2011 wird Lore Bert 75 Jahre alt, was nicht nur die Galerie Dorothea van der Koelen zum Anlass einer umfangreichen Doppelausstellung in ihren beiden Galerien nimmt, sondern zugleich das Gutenberg-Museum in ihrer Heimatstadt, um die Künstlerin auch offiziell zu ehren.

Unter dem Titel »Hic et Nunc – Hier und Jetzt« soll in den Galerien eine NichtRetrospektive gezeigt werden. Schließlich ist die Künstlerin, ungeachtet ihrer intensiven künstlerischen Ausstellungstätigkeit in den letzten Jahrzehnten (mit mehr als 200 Ausstellungen in 25 Ländern auf sämtlichen Kontinenten) und ihres Alters, noch immer rege im Atelier tätig und auf der Welt unterwegs um Ausstellungsprojekte zu realisieren – zuletzt im Mai 2011 war sie Ehrenkünstlerin der Biennale in Izmir (Türkei).

Das Gutenberg-Museum hingegen konzentriert sich aus aktuellem Anlass ganz auf das Thema »Lore Bert und die Wissenschaften«. Schließlich ist Mainz im Jahre 2011 ausgezeichnet als ›Stadt der Wissenschaften‹. Da passt es ganz ausgezeichnet, dass Lore Bert sich so intensiv mit den verschiedenen Wissenschaften befasst und diese immer wieder zum Thema ihrer Arbeit gemacht hat.

Das beginnt zunächst bei den GEISTESWISSENSCHAFTEN. Bereits die erste Ausstellung im Gutenberg-Museum (1989) bezog ein großformatiges Environment für Martin Buber mit ein, das den Titel „Das Dialogische Prinzip“ trug. Seit den 90er Jahren widmet Lore Bert ihre dreidimensionalen Papierbilder dann zunehmend Immanuel Kant und seinem Hauptwerk „Die Kritik der reinen Vernunft“. Aus dem Kapitel über Transzendentale Ästhetik zitiert sie zahlreiche Textstellen in ihren sog. Transparenten, formt sie in Spiralen oder notiert sie (gelegentlich sogar zweisprachig) ganz einfach linksbündig fortlaufend. „Alle Erkenntnis hebt von den Sinnen an, …“ hat sie dort verstanden. Aber auch dem amerikanische Logiker Willard van Orman Quine sind Transparente gewidmet, und die Texte des Sprachwissenschaftlers Nelson Goodman finden sich in Skulpturen und einem Environment zu dessen Weisen der Welterzeugung wieder. Ebenso hat es ihr die Metaphysik von Aristoteles angetan mit der Erkenntnis, dass das „Staunen der Ursprung menschlichen Philosophierens“ ist.

Neben der PHILOSOPHIE finden auch sprachliche Formen der LITERATUR ihr Interesse. Sie integriert Zitate von Dante, Goethe und Rilke in ihre Bildwelten, formt Zeilen von Jean Paul und Statements von Macchiavelli für den Neubau der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität in Bayreuth. Goethes Farbenlehre findet sich wieder in dem „Spektralkreis“, von dem es zahlreiche Variationen gibt.

Neben den Geisteswissenschaften gilt ihr Interesse aber auch NATURWISSENSCHAFT-lichen Phänomenen. Lore Bert beschäftigt sich mit der Astronomie von Galileo Galilei, untersucht das Phänomen der Gravitation zum Erdmittelpunkt, widmet Galilei ein eigenes Environment (... und sie bewegt sich doch!) und visualisiert die Konstellation des heliozentrischen Weltbildes von Nikolaus Kopernikus (schon seit den späten 80er Jahren) in der ihr eigenen Formensprache.

Oft spielen Kreise oder Kugeln im Werk von Lore Bert eine Rolle, sei es formal oder inhaltlich. Immerhin ist es die vollkommenste geometrische Form und damit ein Ausschnitt aus der Unendlichkeit, die letztlich auch Schönheit bedeutet, die hiermit ins Bild gesetzt wird. So nimmt es kaum Wunder, dass in der MATHEMATIK die Mengenlehre von Georg Cantor in Form von Kreisen dargestellt wird. Erstmals 1997 in Island gezeigt, hat Lore Bert das Thema immer wieder aufgegriffen und neu formuliert. Neben Zahlen – aus Neon oder Papier, gezeichnet, geklebt, gedruckt, geprägt oder sonst irgendwie geformt – , die eine Hierarchie aufweisen und damit Quantität und Qualität zugleich bezeichnen können, und Buchstaben, die abstrakte Inhalte zum Ausdruck zu bringen vermögen, ist es vor allem die GEOMETRIE mit ihren gegenstandslosen Formen, die Lore Bert begeistert.

Dann setzt sie vielleicht Kreise zu einem Vierpass zusammen und verweist damit nicht nur auf das Wahrzeichen Venedigs, das sich in den gotischen Fensterformen des Dogenpalastes oder der Ca’ d’Oro wiederfinden lässt, sondern belegt damit zugleich ihre Faszination an ARCHITEKTUR und RAUM, sowie an konstruierten Zusammenhängen. Dann bewundert sie nicht nur die intelligenten Strukturen italienischer Marmorböden in Kirchen und Palästen, versucht die verblüffenden Perspektiven in ihren Bildwerken nachzuempfinden, sondern auch die TechnikBegeisterung und die Erfindungsfähigkeit eines Leonardo Da Vinci, dem sie sich auf besondere Weise verbunden fühlt.

Lore Bert (*2. Juli 1936 in Giessen) studierte 1953-57 an der Werkkunstschule in Darmstadt und an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, wo vor allem ihr Lehrer Hans Uhlmann ihre Liebe zum Räumlichen weckte. Ihr Werkstoff ist vor allem Papier (meist handgeschöpftes Papier aus Japan, Nepal und Korea), seit Anfang der 90er Jahre auch Neon, das sie in dreidimensionale Bildwelten umsetzt. Neben Bildobjekten und Collagen realisierte sie bis heute mehr als 120 Environments in 25 Ländern. Ihre Arbeiten befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen auf der ganzen Welt, und ihr Werk ist dokumentiert in mehr als 35 monographischen Publikationen.

Publikation

Spaziergang durch ein Leben
Lore Bert
Spaziergang durch ein Leben

2021

Publikationen über Lore Bert

Einzelausstellungen

Ausstellung »Spuren der Erinnerung – Zeichen der Gegenwart«
Lore Bert
Spuren der Erinnerung – Zeichen der Gegenwart

CADORO Mainz, 2021

Ausstellung »Ways of World Making – Weisen der Welterzeugung«
Lore Bert
Ways of World Making – Weisen der Welterzeugung

Gutenberg Museum Mainz, 2021

Ausstellung »Chinesische Wörter«
Lore Bert
Chinesische Wörter

CADORO Mainz, 2021

Ausstellung »Erleuchtung – Wege zur Erkenntnis (Heureka)«
Lore Bert
Erleuchtung – Wege zur Erkenntnis (Heureka)

Kirche San Samuele Biennale Venedig, Italien, 2019

Ausstellung »Im Banne der Kulturen - Fragile Werte«
Lore Bert
Im Banne der Kulturen - Fragile Werte

Muzeum Narodowe w Lublinie Lublin, Polen, 2017

Ausstellung »Im Banne der Kulturen - Fragile Werte«
Lore Bert
Im Banne der Kulturen - Fragile Werte

Galería Ethra Mexiko-Stadt, Mexiko, 2016

Ausstellung »Im Banne der Kulturen - Fragile Werte«
Lore Bert
Im Banne der Kulturen - Fragile Werte

Schloß Mochental Ehingen, Deutschland, 2016

Ausstellung »Im Banne der Kulturen - Fragile Werte«
Lore Bert
Im Banne der Kulturen - Fragile Werte

Circolo del Ministero degli Affari Esteri Rom, Italien, 2016

Ausstellung »Art & Knowledge in the 5 Platonic Solids«
Lore Bert
Art & Knowledge in the 5 Platonic Solids

Busan Museum of Art Busan, Südkorea, 2014

Ausstellung »Art & Knowledge in the 5 Platonic Solids«
Lore Bert
Art & Knowledge in the 5 Platonic Solids

Biblioteca Nazionale Marciana im Correr Museum Biennale Venedig, Italien, 2013

Ausstellungen mit Lore Bert

Dr.  Dorothea  van der Koelen

Galerie