Artist profile Raimund Girke

Raimund Girke (1930-2002) ist ein großartiger Maler, der oft als „Maler des Weiß“ bezeichnet wird. Bei seinen Bildern handelt es sich um reine Malerei. Die Ölfarbe war sein bevorzugtes Material, welche er mit weit ausgreifenden Pinselstrichen auf die Vorderseite der Leinwand in einem immer erkennbaren Duktus – wie seine Handschrift – auftrug. Durch große Gesten und Pinselstrich-Bewegungen vermochte er Räumlichkeit und Tiefe zu erzeugen, ohne irgendeinen Gegenstand zu zeigen. Beim genauem Anschauen jedes einzelnen seiner Bilder erkennt man die verschiedenen Schichten des Farbauftrags, die eine weitreichende Farb-Palette implizieren. Die Bearbeitung eines Bildes von Girke dauerte oft mehrere Jahre, in denen das Werk durch Addieren weiterer Farbschichten immer wieder Veränderungen durchlief. Die Dynamik der Pinselstrich-Bewegung einerseits und die Überlagerung zahlreicher Farbschichten andererseits, erzeugt die ungewöhnliche Räumlichkeit, die Girkes Leinwänden eigen ist.

Auch seine berühmten weißen Bilder, die er seit den 60er Jahren, vor allem aber in der 70ern bis Anfang der 80er Jahre realisierte, zeigen bei genauem Hinsehen mehrere Reihen von Pinselstrichen, untereinander gesetzt, seinem einzigartigen Duktus entsprechend, skriptural. Doch bei Girkes Weiß handelt es sich nie um ein reines Weiß, sondern immer um ein Weiß, das viele andere Farben in sich birgt. Nach genauerer Betrachtung entdeckt der Beobachter verschiedene darunter liegende Schichten, meistens Farbtöne in Blau – eine kalte Farbe, die den Intellekt anspricht – und Farbtöne in Beige oder Braun, warme Farben, die die Emotionen berühren. Bei der Arbeit dieses großen Malers geht es weniger um die Untersuchung der Farbe Weiß – wie bei Robert Ryman oder anderen analytischen Malern in den USA – sondern um die Ausstrahlung und Wirkung seiner Bilder in allen seinen Nuancen.

Mitte 1980 lernte Dr. Dorothea van der Koelen Raimund Girke kennen. Die Zusammenarbeit und der Dialog mit dem Künstler prägte die Arbeit der Galeristin besonders, und führte zur Realisierung verschiedener Projekte, wie der Ausstellung 1989 „Raimund Girke: Arbeiten 1953-1989“ und der posthumen Veröffentlichung des Bandes „Raimund Girke. Aufbrechendes Licht“ in der Reihe Kunst Theorie im Jahr 2005.

Raimund Girke (1930-2002) studierte an der Werkkunstschule in Hannover (1951-1952), und bis 1956 an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf. Bereits 1966 begann er seine Lehrtätigkeit als Dozent an der Werkkunstschule in Hannover, die er bis 1971 innehatte. Es folgte ein Ruf als Professor nach Berlin an die Hochschule der Künste wo er bis 1996 seine Lehrtätigkeit ausübte. 1977 nahm er an der documenta VI in Kassel teil. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen begleiteten sein Werk. Bereits 1959 erhielt er den ›Preis der Stadt Wolfsburg‹ für Malerei, gefolgt von dem ›Kunstpreis der Jugend‹ 1962 in Stuttgart. 1995 wurde er mit dem ›Lovis-Corinth-Preis‹ ausgezeichnet und 2002 mit dem ›Niedersächsichen Kunstpreis‹ geehrt. Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland.

Biographie

Raimund Girke, geboren am 28. Oktober 1930 im niederschlesischen Heinzendorf, begann sein Kunststudium zunächst an der Werkkunstschule in Hannover (1951-1952), um alsbald an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf zu wechseln, wo er bis 1956 blieb. Bereits 1966 begann er seine Lehrtätigkeit als Dozent an der Werkkunstschule in Hannover, die er bis 1971, bis zu seinem Ruf als Professor nach Berlin an die Hochschule der Künste ausübte. Dort beendete er 1996 seine Lehrtätigkeit und lebte seitdem in Köln, wo er am 12. Juni 2002 an den Folgen einer schweren Krankheit verstarb.

Zahlreiche Preise und Auszeichnungen begleiteten sein Werk. Bereits 1959 erhielt er den ›Preis der Stadt Wolfsburg‹ für Malerei, gefolgt von dem ›Kunstpreis der Jugend‹ 1962 in Stuttgart. 1995 wurde er mit dem ›Lovis-Corinth-Preis‹ ausgezeichnet und 2002 mit dem ›Niedersächsichen Kunstpreis‹ geehrt.

Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland.

Raimund Girke
Raimund Girke

Ausstellung

Ausstellung »4 + 1 = 41 Wahrnehmung & Erinnerung 4 Künstler und 1 Galerie«
Raimund Girke
4 + 1 = 41 Wahrnehmung & Erinnerung 4 Künstler und 1 Galerie

CADORO Mainz, 2020

Ausstellungen mit Raimund Girke

Publikationen

Aufbrechendes Licht
Raimund Girke
Aufbrechendes Licht

2005

Panta rhei · Alles fließt
Panta rhei · Alles fließt

2005

20 Jahre für die Kunst
20 Jahre für die Kunst
... & - >

1999

Arbeiten 1953-1989
Raimund Girke
Arbeiten 1953-1989

1989

Zwischentöne
Zwischentöne

1988

Dr.  Dorothea  van der Koelen

Galerie